Bartagamen (Pogona)

Vor dem Kauf
Bartagamen sind neugierig, pflegeleicht, tagaktiv und werden handzahm. Allerdings muss sich der Halter darüber klar sein, dass sie Einzelgänger sind, er während der Winterruhe nichts von ihnen hat, ein großes Terrarium braucht, höhere Stromkosten und mit Futterinsekten hantieren muss.
Arten
Die Gattung der Agamen wurde zur selbständigen Gattung Pogona (griech.Bart) zusammengefasst. Kennzeichen aller 8 Arten ist der Kehllappen, der bei vielen Arten aufgestellt werden kann. Charakteristisch sind auch der dreieckige Kopf, der gedrungene Körperbau, die kräftigen kurzen Beine, die Schuppenstacheln an Kopf, Seite und Schwanz sowie der lange Schwanz, der die Hälfte der Gesamtkörperlänge ausmacht. Die Bartagamen bewohnen die Steppen und Halbwüsten Australiens. Die Unterarten unterscheiden sich nach Zeichnung und Größe. Die Zwergbartagamen können ihren Bart nur wenig oder gar nicht aufstellen.
Zu den großen Arten gehören Pogona vitticeps (Streifenköpfige Bartagame) und die Pogona barbata (Östliche Bartagamen) Beide erreichen eine Gesamtkörperlänge von 55 cm. Der grau, braun, rostrot oder gelb getönte Körper besitzt der Pogona vitticeps ist kräftig gebaut, besitzt oben eine Rautenzeichung, der Schwanz ist gebändert, die Unterseite grau bis weiß. Der Bart kann voll gespreizt werden, an den Körperseiten befinden sich Stacheln. Pogona barbata ist schlank gebaut und hat besonders lange Stacheln, vier Reihen an den Seiten. Die Färbung ist dunkel, grauschwarz, mit hellem Rautenmuster auf dem Rücken, an Flanken und Schwanz gelbe Flecken. Der Bart ist schwarz und kann aufgestellt werden.
Pogona microlepidota (Kimberley Bartagamen) und Pogona minor sind mit 40 Gesamtlänge von mittlerer Größe, der Bart kann nicht aufgestellt werden bei der P. microlepidota, der Kopf ist schmal und kurz, die Färbung Gelbbraun bis Graubraun, der Schwanz hat dichte helle Streifen.
Die kleinsten Arten sind die Pogona henrylawsoni und die Pogona minima. Während Letztere bis 36 cm lang wird, erreicht die P henrylawsoni nur 30 cm Länge. Orangefarben und Flecken- statt Rautenmuster, mit rundlichem Kopf. Der Bart lässt sich kaum aufstellen Bei P. minima ist der Körper hellgrau mit je einem dunklen Strich im Nacken, die Kehle ist schwarz, der Bart kann nicht aufgestellt werden.
Die Bartagamen können gut klettern und sind Allesfresser. Sie sitzen gerne an Sonnenplätzen und nehmen als Wechselblüter über die Hautzellen die Wärme auf. Dabei verfärben sie sich von dunkel nach hell, um sie zu speichern. Die Geschlechter sind an Femoralporen und der Hemipenistasche beim Männchen bestimmbar.
Sie werden 10-15 Jahre alt und kosten circa 60-90 Euro (ohne Gewähr!)
Haltung
Ein Ort, an dem die Bartagame nicht ständig unter Beobachtung steht, und der ruhig ist, ist der richtige für das Terrarium
Die Bodenfläche des Terrariums sollte mindestens 1,25 qm groß sein und eine Höhe von 80 cm haben. Der Boden besteht aus Sand, mit Lehmpulver vermischt und mindestens 15 cm hoch, damit die Bartagamen auch budelln können. Soll Nachwuchs gezüchtet werden, braucht das Weibchen zur Eiablage mindestens 20 cm Sand. Der Sand sollte leicht feucht sein, damit gegraben werden kann. Mindestens einmal im Jahr sollte er ausgewechselt werden und die Einrichtungsgegenstände gereinigt, besser noch im Backofen sterilisiert werden. Zu den Gegenständen gehören Steine, Rinde, Korkröhren und Wurzeln, sowie ein Futter- und Wasserbehälter. Echte Pflanzen können angeknabbert werden, deshalb müssen sie ungiftig sein. Bartagamen brauchen sowohl erhöhte Plätze zum Sonnen als auch Höhlen zum Verstecken. Rückwand und Einrichtungsgegenstände sollten strukturiert sein, damit die Tiere an ihnen klettern können.
Die Beleuchtung ist für Helligkeit, Wärme und UV Bestrahlung zuständig. Tagsüber herrscht eine Temperatur um 40 C, an einer Stelle bis 50-55 Grad, nachts 18-20 C. Wünschenswert sind im Terrarium unterschiedliche Klimazonen. Ein Mix aus HQI Leuchten (geben punktuelles Licht) und T5 Röhren (leuchten aus) sowie ein UV Licht ist optimal. Letzteres verhütet Rachitis. Wichtig ist, dass die Leuchten so geschützt sind, dass sich die Tiere nicht daran verbrennen können.
Um den Tag-Nacht-Rhythmus zu regulieren, empfehlen sich Zeitschaltuhren, für die benötigte Luftfeuchtigkeit von 30-40% am Tag und 55% bei Nacht ein Hygrometer.
Falls mehrere Bartagamen gehalten werden, ist ein kleineres Quarantäne Terrarium praktisch, um Neulinge einzugewöhnen und kranke Tiere zu isolieren.
Hygiene verhindert Parasitenbefall, deshalb müssen Essensreste, Kot und nicht gefressene Futtertiere täglich entfernt werden. Wasser sollte ebenfalss täglich erneuert werden.
Verhalten
Bartagamen sind Einzelgänger. Wer dennoch unbedingt mehrere Tiere zusammen halten möchte, nimmt am besten ein Männchen und zwei Weibchen. Zwei Männchen tragen Revierkämpfe aus, bei einem Pärchen steht das Weibchen unter Paarungsstress. Wichtig ist es, zu beobachten, ob ein Tier unterdrückt wird. Das zeigt sich zum Beispiel an Verkriechen und Inaktivität bis zum Erkranken und Sterben eines Tieres.
Dominanz und Besitzanspruch zeigt die Bartagame durch schnelles Kopfnicken. Sonnenplatz, Nahrung oder ein Weibchen zur Balz können so begrüßt werden. Langsames Nicken, Flachmachen, Winken mit den Vorderbeinen bedeutet dagegen Demutsverhalten. Wenn der Bart aufgestellt wird und sich dunkel verfärbt, befindet sich die Bartagame in erregtem Zustand. Das gehört zum Balzverhalten, kann aber auch eine Drohung sein. Das Tier macht sich größer, stellt die Stacheln auf, öffnet das Maul, dreht die Seite zum Gegner, der Körper abgeflacht, und als letzte Drohung gefaucht, bevor es in seltenen Fällen zubeisst, mit dem Schwanz schlägt und/oder kratzt. Wird ein Tier in die Enge getrieben, versucht es allerdings eher zu flüchten oder verharrt reglos.
Manchmal wird der Halter begrüßt mit einem leicht geöffneten Maul oder kurzem Nicken.
Zur Begrüßung züngeln die Bartagamen ihre Artgenossen am Nacken ab, aber auch neue Einrichtungsgegenstände werden so untersucht, sowie pflanzliche Nahrung.
Nimmt man eine Bartagame in die Hand und sie schließt die Augen, bedeutet es nicht, dass sie sich wohlfühlt, sondern im Gegenteil, sie mag nicht mehr. Stupsen gegen die Glasscheibe kann entweger bedeuten, dass das Terrarium zu klein ist, dass sich die Bartagame spiegelt und die Scheibe gesäubert werden muss oder dass sich irgendetwas Interessantes im ihrem Blickfeld befindet.
Bartagamen sonnen sich nicht nur gerne auf erhöhten Plätzen (wenn sie das Maul öffnen, ist es zu heiß), sie beobachten von dort auch ihre Umwelt, indem sie den Kopf ausstrecken. Zum Schlafen graben sie sich entweder eine Mulde, verschwinden in einer Höhle oder sitzen auf einem Ast.
Winterruhe
Um die Lebensdauer zu erhöhen und den Fortpflanzungstrieb bei den Männchen, halten Bartagemen Winterruhe. Meist leiten sie die selbst ein, indem sie träge werden und weniger fressen oder man leitet sie ein. Die Temperatur und Helligkeit wird innerhalb eines Monats stufenweise herunterreguliert, nach der 5-12 wöchigen Ruhe wird es wieder umgekehrt. Bevor die Tiere ruhen, sollte unbedingt das Terrarium gesäubert und eine Kotprobe beim Tierarzt abgegeben werden. Falls sie nämlich Parasiten im Darm haben, können diese sich tödlich vermehren in der Ruhezeit. Vor der Winterruhe muss der Darm leer sein, das heißt, die Fütterung wird 1-2 Wochen vorher eingestellt. Hat man keine Zeit mehr, die Winterruhe langsam einzuleiten, kann das Tier mit einem warmen Bad zum Koten gebracht werden. Das sollte aber nur ausnahmsweise geschehen, weil es die Tiere stresst. Während der Winterruhe genügen 18-20 C und täglich frisches Wasser. Jungtiere können schon ab 5 Monaten ruhen, wenn sie es wollen.
Ein Ausflug aus dem Terrarium ist für die Bartagamen riskant, weil sie schnell unterkühlen und sich durch Staub usw. infizieren können.
Krankheiten
Eine halbjährliche Kotuntersuchung hilft, Krankheiten zu erkennen, bevor sie bedrohlich werden. Allgemeine Anzeichen sind Dauerbaden (Milbenbefall), offenens Maul (Rachenerkrankung, Maulfäule), Reiben an Gegenständen (Parasitenbefall), Inaktivität, Abwehrverhalten und Fressunlust.
Wenn die Luftfeuchtigkeit zu niedrig ist, kann die Häutung zu Problemen führen. Nekrosen an Zehen und Schwanzspitze lassen sich auch verhindern, indem das Tier in warmen Wasser gebadet wird, damit sich die alten Hautfetzen ablösen, dann kann man auch sehr vorsichtig versuchen, sie mit der Hand zu entfernen.
Bei mangelnder Säuberung des Terrariums kann es durch tote Futtertiere oder -reste zu Parasitenbefall kommen. Dann muss das Tier ins Quarantäne-Terrarium, während das verseuchte Terrarium gesäubert und desinfiziert wird.
Maulfäule kann durch zu weiche Nahrung (Obst) entstehen. Anzeichen ist starker Speichelfluss.
Rachitis wird vorgebeugt durch UV Bestrahlung und Bestäuben der Futtertiere mit einem Vitaminpräparat.
Verstopfung lässt sich eventuell durch ein warmes Bad beheben.
Ernährung
In freier Wildbahn fressen Bartagamen Jungvögel, Frösche und Nager, selbst Artgenossen. Im Terrarium können sie leicht verfetten, wenn sie zu viel und zu reichliche tierische Nahrung bekommen. Dann bekommen sie einen Bierbauch, der in extremen Fällen am Boden schleift, und eine Fettleber, die zum Tode führt. Jungtiere werden noch zu 80% mit tierischem Futter ernährt, im adulten Alter bekommen sie 80% pflanzliche Nahrung. Bei pflanzlicher Nahrung kennen die Bartagamen ihre Grenzen, bei tierischer Nahrung überfressen sie sich bei Überangebot.
Hauptfuttertiere sind Heimchen, Heuschrecken, Grillen, die der Halter am besten anfüttert, damit sie auch Nährwert haben. Er kann sie auch mit Vitaminpulver bestäuben. Jungtiere bekommen 5-6 Heimchen pro Tag, erwachsene Tiere 2-3 pro Woche. Wachsmotten und Mehlwürmer werden zwar gerne verputzt, sind jedoch zu fetthaltig für häufige Fütterung. Ebenfalls Schaben, die mit ihrem harten Panzer auch Verdauungsprobleme hervorrufen können. Adulte Tiere bekommen täglich Gemüse, Salat, Obst kleingeraspelt oder –geschnitten. Da jedes Tier Vorlieben entwickelt, sollte man ihnen Abwechslung auf dem Speiseplan bieten, auch mal Blüten, Kräuter, Keimlinge probieren. Wenn Jungtiere keinen Appetit auf Pflanzliches entwickeln, können sie dazu gezwungen werden, indem sie erst abends Futtertiere vorgesetzt bekommen. Nicht verzehrte Futtertiere können den Spieß umdrehen und über Nacht die Bartagame anknabbern, deshalb müssen sie jeden Abend entfernt werden.
Als Kalziumquelle kann man Sepiaschale oder zerstossene Eierschale ins Terrarium stellen.
Gekotet wird alle 2 Tage, bei Streß auch mal später.
Wenn Bartagamen selten trinken, ist das nicht so schlimm. Die meiste Flüssigkeit nehmen sie durch die Nahrung auf. Manchmal hilft es auch, wenn das Wasser in Bewegung gebracht wird, weil sie stehendes Wasser kaum wahrnehmen.
Fortpflanzung
Nach der Winterruhe erwacht beim Männchen heftig der Sexualtrieb. Mit Nicken balzt es um das Weibchen, dass entweder unwillig mit den Vorderbeinen abwinkt oder sich darauf einlässt und „zurückwinkt“. Mit einem Nackenbiss bringt das Männchen seine Erwählte in Paarungsstellung. Das Weibchen hebt den Schwanz, so dass der Hemipenis eingeführt werden kann. Das Ganze dauert 1-2 Minuten und findet mehrmals täglich statt. Ist das Weibchen trächtig, hebt es nach 5-6 Wochen eine Grube aus. Legt 20-30 weichschalige Eier und gräbt sie wieder zu. Nach einiger Zeit kann der Halter die Eier freilegen und sie in einen Inkubator überführen, muss dabei aber sehr vorsichtig sein, sie nicht drehen oder erschüttern. Aus den ausgehärteten Eier schlüpfen nach 50-80 Tagen 20-50mm kleine Babies, die eine Zeitlang in einen eigenen Terrarium aufgezogen werden müssen, damit die Eltern sie nicht verspeisen.

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